Die Energie von Vata und was sie in uns bewirkt

Das wir untrennbar mit der Natur verbunden sind, merken wir in der jetzigen Jahreszeit ganz besonders. Wir befinden uns nach Ayurveda im Moment in der Vata-Zeit, im Übergang vom Spätherbst zum Frühwinter.
Dieser Sommer hat uns mit so unglaublich vielen Sonnentagen und überdurchschnittlich hohen Temperaturen verwöhnt, die wir sonst nur aus unserem letzten Spanien-Urlaub kennen. Dieses tolle Wetterchen inklusive FlipFlop-Spaghettitop-Alarm war spitzenmäßig, doch nicht Wenige litten unter der Hitze. Schließlich sind wir in unseren Regionen doch eher einen gemäßigteren Sommer gewohnt. Das heiße Klima dieses Sommers hat den Körper besonders ausgetrocknet, was sich in der von Vata dominierten Saison zeigt. Sie beginnt Anfang Oktober, wenn die ersten kühlen und windigen Herbsttage Einzug halten.
Wie bei einem Baum, der im Herbst seine Kräfte aus den Ästen zurück in den Stamm zieht, so bewirkt das Vata, dass der Körper das Blut von unseren Extremitäten ins Körperinnere zurückzieht. Die Folge sind kühle Hände und Füße. Das windige Wetter sorgt auch für zusätzliche Bewegung in unserem Körper und den äußeren Wind finden wir leider schon mal in Form von Blähungen in uns wieder. Wir werden geistig unruhig, unsere Gedanken springen wie Äffchen durch einen Baum und wir fühlen uns buchstäblich, wie durch den Wind‘. Wir neigen zu Unkonzentriertheit, Nervosität, Vergesslichkeit und Sensibilität. Wie aus heiterem Himmel plagen uns Sorgen und Ängste, von denen im Sommerfeeling noch keine Rede war.
Mitte Januar, wenn die sternenklaren, frostigen Nächte hinzukommen mit klirrender und trockener Kälte, verstärkt sich das Vata noch mehr. Unsere ohnehin schon durch die Heizungsluft in Mitleidenschaft gezogene Haut und Schleimhäute werden noch trockener. Wir neigen zu Verstopfungen, da auch unser Stuhl trocken wird. Unsere Lippen werden rau, unsere Stimme unter Umständen auch. Zusätzlich können noch diffuse Schmerzen, mal im Kopf, mal in den Gelenken oder im Kreuzbein aufkommen oder Muskelverspannungen und -krämpfe, Zittern, Ohrgeräusche, Schlaf- und Rhythmusstörungen auftreten.

Vata findet Ausdruck in den Eigenschaften trocken, rau, kühl, klar, leicht, bewegt, subtil, die sich wie bereits weiter vorn beschrieben sowohl auf physischer als auch psychischer Ebene gerade in der jetzigen Jahreszeit verstärkt wahrnehmen lassen. Vata ist die mächtigste aller drei Wirkkräfte in unserem Körper. Als das kinetische Prinzip ist es überall dort zu finden, wo es um Bewegung und Abbau von Stoffwechselprodukten im Körper geht. Es besteht aus den Elementen Luft und Raum - zwei immateriellen Elementen, die unbegrenzt und unendlich sind. Deshalb steht das Dosha für das Ende und Auflösung. Es beendet immer einen Zyklus. Wir finden dieses Prinzip nicht nur in den Jahreszeiten, sondern auch in unseren Lebensabschnitten. Als Kinder dominiert uns Kapha, in der Lebensmitte Pitta und im letzten Lebensabschnitt Vata. Wir wachsen wie ein Baum aus der Erde in den Himmel. Vata ist dem Unterleib zugeordnet, d.h. dem Dickdarm (Element Raum) und dem Urogenitaltrakt, aber auch der Hüfte, den Beinen und Füßen, dem Knochenapparat und außerdem dem Nervensystem. Es steuert zudem die Körperausscheidungen (Stuhl, Urin und Schweiß), die Atem-, Herz- und Verdauungsbewegung sowie die Energie von Körper und Geist, die Zellteilung und die Weiterleitung der Nervenimpulse zwischen den Sinnesorganen und dem Gehirn, bzw. dem Gehirn und den Organen.

Solltest du dich in den o.a. Vata-Symptomen wiederfinden, können dir die nachfolgend aufgeführten Tipps helfen, dein aggraviertes, d.h. erhöhtes Vata zu besänftigen:
  • Vewöhne dich regelmäßig, am besten täglich bereits morgens mit einer Abhyanga- (Ganzkörper-Öl-)Massage mit Mandel- oder Sesamöl. Das beruhigt Dein Nervensystem und wirkt stress-präventiv. Bitte in der Vata-Zeit keine Trockenbürsten-Massage durchführen. Die anregende Wirkung würde die Vata-Symptome nur verstärken
  • Halte dich stets warm (inkl. warme Füßchen), insbesondere wenn du von schnell fröstelnder Natur bist
  • Bereite dir morgens ein warmes Frühstück zu, z.B. ein Dinkel-Porridge mit Zimt-Pflaumen oder Bananenkompott Trinke täglich 2-3 Tassen Vata-Tee mit Zimt, Süßholz und Kardamom
  • Feuere dein Agni an indem du dir ein Agni-Wasser zubereitest. Hierzu kochst du 1,5 l Wasser auf und gibst jeweils einem halben TL Fenchel- & Koriandersamen, Cumin und ein paar Scheibchen frischen Ingwer hinzu. Den Trunk nach 15 min Kochzeit abgießen, bzw. in eine Thermoskanne umfüllen und schlückchenweise über den Tag verteilt genießen
  • Verwende Ghee (Butterreinfett) bei der Zubereitung deiner Speisen, da es dein Agni zusätzlich anregt
  • Schenke dir ausreichende Ruhephasen und schaffe kleine Inseln der Regeneration
  • Zaubere dir ein leckeres Mittagessen aus den rot-gelb-orangefarbenen Wurzelgemüsen, die uns die Natur in dieser Jahreszeit schenkt. Schau mal hier findest du als kleine Inspiration das Rezept für den Quinoa-Linsen-Salat mit Kürbis, Möhren, Rote Bete, Pflaumen und Feigen
  • Vermeide Rohkost sowie kalte Speisen und Getränke
  • Koche dir abends ein Süppchen oder bereite dir Ofengemüse zu, welches du zuvor mit Sesamöl und einem Curry würzt
  • Zimt, Kardamom, Fenchel, Cumin, Ingwer und Pfeffer sind z.Zt. deine Gewürzfreunde
  • Vermeide starke Aktivitäten und eine Überreizung deiner Sinne
  • Gönne dir stattdessen einen Saunabesuch oder Dampfbäder
Ende Januar / Anfang Februar, wenn der erste Schnee, oder besser gesagt Schneematsch hinzukommt, nimmt das Kapha (Element Wasser und Erde) zu. Die Qualitäten verändern sich von zuvor trocken in ölig, bzw. von leicht in schwer.
Das Agni, das wir zuvor schön angeheizt haben ist nun auf höchster Flamme. Schließlich brauchen wir bei dem kalten Wetter auch viel innere Hitze. Unsere Verdauung funktioniert jetzt besonders gut und ist bereit für guten Brennstoff. Wir verspüren größeren Hunger, als im Sommer und vertragen in der Zeit kohlenhydratreiche Kost mit guten Fetten. Selbstverständlich gut gewürzt, damit unser Feuer alles rückstandslos verbrennen kann. Heißes Wasser oder Tee zu den Mahlzeiten unterstützen dies.

Sammelt sich im Laufe des Frühjahrs vermehrt Kapha an, so erkennen wir das an der typischen Frühjahrsmüdigkeit inklusive geistiger und körperlicher Trägheit. Depressive Verstimmungen, Wasseransammlungen, übermäßige Schleimbildung, Schnupfen, Erkrankungen der Atemwege zeigen an, dass es an der Zeit ist vom Kuschelsofa runterzukommen, um sich wieder mehr zu bewegen, vor allem im Freien. So wie sich die ersten Knospen im Frühling öffnen, so öffnen wir uns wieder dem Leben draußen in der Natur. Mehr zum Thema Kapha im Spätwinter und Frühling im nächsten Blogpost!