Die Energie von Vata und was sie in uns bewirkt

Der Schlaf (Nidra) gehört neben der Ernährung (Ahara) und dem achtsamen Umgang mit der Lebensenergie (Brahmacharya) zu den drei Säulen des Lebens. Nidra nimmt im Ayurveda einen besonderen Stellenwert ein, denn es ist das wichtigste Mittel zur Regeneration. Er schenkt uns neue Kraft und Lebensenergie, bestimmt über Glück und Schmerz, unterstützt und verlängert unser Leben.

Gesunder Schlaf bringt Glück, nährt den Körper und verleiht Stärke und Vitalität, gibt Wissen und spendet Leben“ aus der Caraka Samhita

Unter dem Sanskrit-Begriff Nidra wird nicht nur Schlaf, sondern auch Entspannung, Ruhe, Muße und Regeneration verstanden. Nidra sollte nach Ayurveda etwa ein Drittel der Tageszeit einnehmen. Das Zweite Drittel sollte dem Familienleben, das letzte Drittel der Arbeit gewidmet sein. Wer ein Leben in ständiger Bewegung und Daueranspannung führt, permanent erreichbar und komplett reizüberflutet ist und sich zum Ausgleich zu wenig Ruhezeiten und ausreichend Schlaf gönnt, darf nicht überrascht sein, wenn sein Akku irgendwann mal schlapp macht. Es ist wie beim Laden unseres Mobiltelefons: wir hängen es abends ans Netzteil und morgens ist der Akku nicht komplett geladen. Wenn wir das auf Dauer tun, nimmt unser Akku irgendwann schaden und wir fühlen uns durchgehend müde und erschöpft. Ursächlich für eine dauerhaft gestörte Regenerationsfähigkeit ist ein permanenter Vata-Überschuss, der sich bei einem stressbetonten Lebensstil einstellt. Werden keine liebevollen Gegenmaßnahmen ergriffen, kommt es zu weiteren Störungen, wie z.B. zu geistiger Unruhe, Konzentrationsschwäche, chronischer Müdigkeit und Schlafstörungen. Von letzteren ist mittlerweile etwa jeder Dritte betroffen. Aus Sicht des Ayurveda kannst du Einiges für deinen guten Schlaf tun:

  • Im Einklang mit deinem Biorhythmus leben, d.h. mache dir die Wirkkräfte des Abends zunutze und läute nach Möglichkeit ab 18:00 Uhr die Chill-Out-Time ein. Bis 22:00 herrscht das Dosha Kapha vor. Zeit, Dich der süßen Schwere hinzugeben und dein Nervensystem runterzufahren
  • Mache einen abendlichen Spaziergang an der frischen Luft. Wenn Du Dich mehr bewegen möchtest, dann probiere sanftes Yoga, Yin Yoga oder Qi-Gong, anstatt anstrengenden Sportarten nachzugehen
  • Gestalte Dein Abendessen warm und leichtverdaulich, z.B. eine Suppe, Reis mit Gemüse oder Ofengemüse. Verwende keine tierischen Eiweiße und kein Tofu, da schwerverdaulich. Nicht zu viel essen und keine scharfen Gewürze verwenden, da sie zu anregend sind
  • Versuche spätestens 3 h vor dem Schlafengehen gegessen zu haben. So hat dein Magen ausreichend Zeit, den größten Teil des Speisebreis (bestenfalls alles) in den Dünndarm weiterzubefördern
  • Vermeide langfristig stimulierende Substanzen, wie Kaffee oder Tee. Das Koffein wirkt bis zu 12 h in deinem System nach
  • Verzichte besser auf Alkohol. Er beruhigt dich zwar und macht dich schläfrig, stört aber die erholsame Tiefschlafphase, da deine Leber mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt ist
  • Achte darauf, deine Sinne nicht zu überreizen. Sanfte Musik und Literatur sowie Hörbücher (keine Thriller/Krimis) sind Balsam für die Seele
  • Handarbeit oder Malen wirkt ebenfalls entspannend auf deine Sinne
  • Vermeide hitzige Diskussionen am Abend
  • Gönne dir ein Voll- oder Fußbad mit aromatherapeutischen Zusätzen wie Lavendel, Melisse oder Thymian Verwöhne dich und deinem Partner mit einer Massage
  • Schaue liebevoll auf deinen Tag zurück, lass die schönen Momente Revue passieren und speichere die aufkommenden Gefühle in deinem Herzen ab
  • Führe ein Tagebuch und etabliere eine Dankbarkeitspraxis
  • Trinke einen schlaffördernden Tee, wie z.B. Jatamamsi oder bereite eine goldene Milch zu. Das Rezept für DEN ayurvedischen Schlaftrunk findest Du hier
  • Meditiere vor dem Zubettgehen (Meditation ist dein Waschmittel für den Geist)
  • Massiere deine Füße mit Sesamöl und wische evtl. Reste mit einem Handtuch ab
  • Betrachte deine Tür zum Schlafzimmer als goldenes Tor zur Ruhe und lasse Ärger, Sorgen, Stress ganz bewusst draußen
  • Gestalte deinen Schlafplatz mit beruhigenden Farben, halte Ordnung und Harmonie
  • Achte auf die Verwendung von Naturmaterialien (keine Kunstfasern) bei der Verwendung für Auflagen, Bett- und Nachtwäsche und das keine chemischen Belastungen durch Ausdünstungen von Wandfarben und Teppichen entstehen
  • Passe die Weichheit / Härte der Matratze deiner Konstitution an. Vata = tendenziell weich, Kapha = eher hart
  • Achte auf ein gutes Raumklima und eine gute Belüftung. Zu heiße Raumluft, Staubbelastung und Feuchtigkeit können deinen Schlaf beeinträchtigen. Nachts Heizung abdrehen und Fenster geöffnet lassen
  • Dimme am Abend schon das Licht in deinem Schlafzimmer und schlafe dunkel
  • Vermeide elektromagnetische Felder im Schlafzimmer (WLAN, Smartphone, Tablet)
  • Lege dir einen Notizblock auf das Nachtschränkchen, für den Fall, dass nachts Gedanken und Gefühle aufsteigen. In der Ruhe der Nacht werden Gedanken lauter und Gefühle klarer, die sonst am Tag durch das Geschehen überlagert werden. Statt ihnen Widerstand zu geben, ruhig aufschreiben und sie am kommenden Morgen noch mal bei Tageslicht anschauen
  • Gehe nicht zu spät ins Bettchen! Der Engelexpress fährt letztmalig um 22.00 ab, insbesondere bei Schlafstörungen. Wenn wir nach 22 Uhr wachbleiben, verspüren wir einen Energieschub und unsere Müdigkeit lässt nach. Das liegt daran, das wir ab 22:00 in die Energie von Pitta kommen. Pitta ist für die Umbauprozesse in unserem Körper zuständig. Diese Wirkraft wollen will der Körper für die Regenerationsprozesse im Darm und Gehirn nutzen. Wer immer deutlich später als 22:00 ins Bett geht, läuft Gefahr nicht genug Regeneration zu bekommen. Wie beim vorhin beschriebenen Ladevorgang unseres Mobiltelefons. Also merken: 22:00 - 2:00 ist Pitta Zeit - die Zeit, wo Deine innere Batterie aufgeladen wird
  • Je nach Konstitution werden 7 - 8 Stunden Schlaf empfohlen. Bei Kapha-Tendenzen 7 Stunden, bei Vata eher 8 Stunden.
  • Wer erschöpft und müde ist braucht mehr Schlaf: 8,5 - 9 Stunden. Die Schlafkur ist im Ayurveda ein wichtiges Therapeutikum bei Erschöpfung. In einer Schlaftherapie geht es schon um 21:00 ins Bettchen. Tagesschlaf ist zu vermeiden
  • Früh aufstehen, damit man abends auch die nötige Bettschwere hat :-)
  • Ein regelmäßiger Tagesablauf und feste Mahlzeiten sorgen ebenfalls für einen guten Schlaf
Puh, du siehst, eine ganze Reihe an Empfehlungen (und dies ist nur ein Auszug!), die dich einem erholsamen und gesunden Schlaf näher bringen.
Achte gut auf dich und deinen Schlaf, denn er ist ein Grundpfeiler für dein Glück und deine Gesundheit.