Wieso wir eine tägliche Praxis brauchen, um glücklich zu sein

Wir alle wollen glücklich sein, glücklich werden, unseren inneren Frieden finden und voller guter Gedanken durchs Leben gehen. Doch leichter gesagt als getan, denn wie du in dem Post über Veränderung schon lesen konntest, ist unser Gehirn nicht dazu gemacht uns glücklich zu machen. Es hat lediglich die Aufgabe unser Überleben zu sichern.

Speicherplätze

Dafür speichert es negative Erfahrungen wunderbar schnell abrufbar ab. Das beste Beispiel ist, wenn dir schonmal von etwas schlecht geworden ist. Selbst Jahre später wird einem noch ganz anders, wenn man genau das plötzlich riecht. Gut so, denn dadurch haben sich unsere Vor-Vor-Vorfahren daran erinnert, welche Beeren im Wald ungenießbar waren und wie sie gesund bleiben können. Gute Erinnerungen sind ebenfalls abrufbar. Du brauchst einfach nur mal kurz die Augen schließen und ganz bewusst an einen besonders schönen Moment in deinem Leben denken. Genau wie bei negativen Erinnerungen, fühlen wir bei positiven die dazugehörigen Gefühle. Leider jedoch werden die meisten positiven Erinnerungen ein wenig versteckter abgespeichert.

Trampelpfade und Autobahnen

Ich stelle mir das in unserem Gehirn immer vor, wie so eine ganz verrückte Straßenkarte. Es gibt lauter Punkte (Nervenzellen), die über kleine und große Wege (Synapsen) mit einander verbunden sind. Manche Knotenpunkte verfügen über ein Netz aus Autobahnen, andere eher über Trampelpfade. Damit wir schnell reagieren, uns in Sicherheit bringen oder kämpfen können, verfügen negative Erinnerungen / Knotenpunkte über Autobahnen. Die Positiven im Durchschnitt eher über Trampelpfade. Was wir oft auch noch verstärken.

Wie wir denken

Überlege mal, wie du mit Erinnerungen umgehst. Wenn uns etwas Unschönes passiert ist, wie zum Beispiel ein beunruhigend wilder Rückflug aus dem Urlaub, dann reden wir oft tagelang darüber. Wir erzählen das Drama allen möglichen Menschen und schmücken es vielleicht sogar noch aus. Besonders interessant wird es aber, wenn wir den nächsten Urlaub planen. Dann beginnt unser Kopf Sorgen zu fabrizieren und wir malen uns in den buntesten Farben den Horror eines neuen Flugs aus. So werden die Bahnen zu dem Netzwerk in unserem Kopf, was das Thema „Fliegen“ gespeichert hat, ganz schön breit und die negative Erfahrung mehr und mehr präsent und somit immer schneller abrufbar.

Eine tägliche Praxis nutzen

Da unser Gehirn sich durch all das, was wir denken, umbaut, können wir jedoch all diese Mechanismen für uns nutzen! Ganz bewusst können wir positive, gute Gedanken denken und in schöne Erinnerungen eintauchen. Unser Gehirn unterscheidet nicht, ob wir etwas erleben oder erinnern. Die Gefühle, die wir erzeugen, sind fast identisch und mit ihnen die Hormonausschüttungen. Sobald wir täglich überlegen, wofür wir dankbar sind und all die kleinen und großen konkreten Augenblicke noch einmal vor dem inneren Auge Revue passieren lassen - wird unser Gehirn sie immer besser abrufbar machen.

Täglich kann was

Der morgendliche, zuversichtliche Blick auf einen guten Tag (Intention bewusst setzen, auch was die Gefühle angeht) hebt unsere Laune und lässt uns freudiger nach vorne schauen. Auch die Lust an der Arbeit an den eigenen Zielen tut uns gut und führt zu Zufriedenheit. Beides täglich praktiziert sorgt für einen immer klareren Fokus darüber, wo wir hinwollen und wie wir uns fühlen wollen. Je mehr wir diese Gedanken täglich üben, desto leichter fallen sie uns. Sie gehören irgendwann einfach „dazu“. Das Gleiche gilt für die Dankbarkeit, die schon nach ein paar Wochen in Studien messbare Effekte auf Gelassenheit, Zufriedenheit und Gesundheit gezeigt hat. Zudem beeinflusst diese Übung die Wahrnehmung. Künftig suchen unbewusst nach dem Guten in unserem Leben, was uns mehr und mehr und mehr zu unserem Glück führt.

Mentales Training

Letztlich kann man die vier Fragen aus dem Glücksjahr als eine Art mentales Training für mehr Resilienz und Zufriedenheit sehen. Je mehr wir unsere geistigen Routinen so gestalten, dass sie uns gut tun, umso besser geht es uns. Studien belegen, dass wir schon nach mehreren Wochen einen ordentlichen Umbau in unserem Kopf vollziehen können. So werden wir ruhige, zufriedener und kommen immer mehr bei uns an.

Wie aus dem täglichen Tun eine Routine wird

Tun wir etwas jeden Tag, wird es schnell (40 - 100 Tage) zu einer Routine. Wie das Zähneputen fehlt es uns, wenn wir es ausfallen lassen. Ist das nicht wunderbar? Eine Praxis, die uns fehlt, weil sie uns so gut tut? Endlich Zeit zu starten, oder?